Der Offenbacher Kunsthändler und Filmemacher Uwe Kampmann gehört zu der Spezies, die man der Digitalen Bohème zurechnen darf. Das Caféhaus ist sein verlängertes Büro. Andere sitzen unter Palmen mit dem Laptop auf den Knien, Kampmann sitzt in Offenbacher Straßencafés und lässt sich durch das Leben in der Kreativstadt Offenbach inspirieren, Videoclips zu planen, Geschichten zu schreiben und sich nebenbei als Kandidat für das Amt zum Offenbacher Oberbürgermeister zu profilieren. Der Cyberspace ist ein Teil seiner Werkstatt, der Mac eine Art von Drehbank. „Jeden Tag ein Ding drehen“, so lautet das Motto von Uwe Kampmann, dazu gehört das schreiben von Artikeln über Kunst und Kultur in einer Reihe von Blogs und Internetforen. Der Digitale Bohème ist schon lange kein Unbekannter mehr im Internet, dafür steht als Beweis sein Profil bei www.yasni.de. Wo andere Internetnutzer sich fürchten etwas im Internet über sich stehen zu haben, da sagt der 59 jährige Uwe Kampmann: „Ich brauche in meinem Leben kein Führungszeugnis mehr und falls ja, na und ?“ Auf meine Frage, ob das ein Aufruf zur Förderung für Alterskriminalität sei, schaut Uwe Kampmann mich überrascht an, blickt in den strahlenden Sommerhimmel über Offenbach, so als suche er die Antwort beim Herrgott.
„Ob man als Digitaler Bohème reich werden kann ?“ Über diese Frage kann Kampmann lachen. „Es muss Freude machen und Teil der kreativen Selbstverwirklichung sein. Wer reich werden will, sollte Bankier werden und wohin das führt zeigt sich ja gerade in der Wirtschaftskrise.“ Krisenstimmung ist bei Kampmann nicht zu spüren, nach gut bezahlten Aufträgen gönnt er sich Zigarren aus Havanna und qualmt der Schornstein mal nicht so gut, greift er auf Zigarren aus der Toskana zurück. Es klingt genüsslich wenn Kampmann an seiner Zigarre zieht und sagt: „Der Cyberspace ist ein echtes Weltraumabenteuer, manchmal ist es auch so, als würde ich wie ein Pirat über die Weltmeere segeln, immer Ausschau nach einer Kaufmannskogge, um an deren Golddukaten zu kommen.“
Einfach ist es nicht immer, Kampmann kennt auch Schiffbruch, aber so lange noch eine Planke im Meer schwimmt an der er sich festhalten kann, so lange besteht bei ihm immer Hoffnung wieder Land unter die Füße zu bekommen. Bisher hat es immer geklappt und die Flinte ins Korn zu werfen ist sowieso nicht sein Ding, schließlich war sein Vater Offizier der Roten Armee der Sowjetunion und war am Sturm auf den Führerbunker in den letzten Kriegstagen in Berlin beteiligt. Das verpflichtet politisch wachsam zu sein, seine eigentlich einzige Verpflichtung, ansonsten scheint Uwe Kampmann sich keine großen Sorgen zum machen. Sein letzter Auftrag brachte ihm 1200 Euro ein für zehn Stunden Kameraarbeit. Musiker brauchen Clips, Geschäftsleute ein Filmchen für ihre Webseiten, das sind Aufträge die er sich an Land zieht wenn er in den Cafés sitzt. Viele Anfragen kommen natürlich über E-Mail und Telefon aber den kreativen Teil der Entwicklung, der findet entspannt im Café mit einer Zigarre statt und ansonsten ? Das ist der Kunsthandel den Uwe Kampmann betreibt, first class und teuer, beste Künstler, handverlesen, schließlich legt der Digitale Bohème auf gute Arbeit so viel Wert, wie auf eine handgedrehte Havanna.
geschrieben von Jean Baptist










